Inge Schneider

Inge Schneider

Eine wesentliche Erkenntnis der Reformation ist für mich, dass Identität und Wert des Menschen nicht von seiner Leistung abhängen, sondern dass er ohne sein Zutun von Gott angenommen wird. Dies hat fundamentale Bedeutung für unseren Umgang mit uns selbst, aber auch mit anderen Menschen. Wenn für Gott jeder Mensch unabhängig von seinen Werken wertvoll ist, müssen wir mahnend die Stimme erheben, wenn die Politik beginnt, Menschen nach ihrem Nutzwert für die Gesellschaft zu beurteilen. Ich denke dabei zum Beispiel an die Abtreibung von Behinderten, den Umgang mit Arbeitslosen, Wohnsitzlosen, Flüchtlingen, Pflegebedürftigen und Sterbenden.

Unsere Kirche selbst steht in der Gefahr, über der Betonung des Angenommenseins von Gott zu verschweigen, dass wir uns dereinst für unsere Taten vor Gott verantworten müssen. Während die mittelalterliche Kirche zu sehr auf das Jenseits konzentriert war, fehlen uns heute weitgehend die frohe Erwartung der Wiederkunft Jesu und die Hoffnung auf sein Reich.

Inge Schneider, Präsidentin der Evangelischen Landessynode in Württemberg

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