Susanne Büttner

Susanne Büttner

Luther hat sich mit der Kirche des Mittelalters auseinandergesetzt, die der Botschaft von der Freiheit in Christus und der Verkündigung eines barmherzigen Gottes in ihrer Praxis zutiefst selbst widersprach. Die Zwänge in unserer postmodernen, bis in die letzten Vollzüge hinein durchökonomisierten Gesellschaft und die in unserer heutigen Kirche sind andere.

Als Individuen genießen wir in der westlichen Welt große Freiheit. Gleichzeitig geht jede Lebensgestaltung einher mit der Unterwerfung unter die Erfordernisse des globalen Wirtschaftens und Kommunizierens. Arbeits- und Lebensabläufe werden immer komplexer. Um die Frage nach der Barmherzigkeit und nach Freiheit ist in dieser Situation immer neu zu ringen.

Die Kirche hat sich in den vergangenen Jahren stark mit den eigenen Strukturen beschäftigt. Sie ist selbst nicht frei von Ökonomisierung. Meine Kirche der Zukunft sehe ich als eine, die ihre eigenen Zwänge erkennt und solidarisch mit den Menschen um Sprach- und Erfahrungsräume von Freiheit mitten im Zwang ringt. Im Gefängniskontext ist das Bekenntnis zur Freiheit in Christus eine solche Praxis. 

Susanne Büttner, Pfarrerin an der Justizvollzugsanstalt Gotteszell in Schwäbisch Gmünd

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