Vorwort des Landesbischofs Dr. h. c. Frank Otfried July

Gott ist Mensch geworden und hat sich eingemischt. Er ist kenntlich geworden, hat Position bezogen für Kranke, Schwache, Entrechtete und Ausgestoßene. Er hat die bestehende Ordnung durcheinandergebracht: anwaltlich, solidarisch, heilend, prophetisch und visionär, erlösend. Wer sich von ihm begeistern lässt, kann nicht unpolitisch sein. Das war auch zu Martin Luthers Zeiten so.

Weltweit hat die Reformation Spuren hinterlassen – und neben Kirche und Theologie auch Politik, Wirtschaft und Soziales, Sprache und Recht, Musik und Kunst geprägt. Doch wie stark ist diese Prägung heute? Und wo gibt es heute Reformationsbedarf?

Uns schien das Themenjahr 2014 „Reformation und Politik", mit der die zweite Halbzeit der Lutherdekade begonnen hat, ein guter Anlass, Menschen aus Politik und Kirche, Wissenschaft und Kultur nach ihrer Sicht zu fragen. Ich freue mich sehr über die große Bereitschaft, bei diesem Web-Projekt mitzuwirken und bin für die vielfältigen, spannenden, teils kontroversen Antworten sehr dankbar. Gerade in der Vielzahl der Zugänge kristallisiert sich ein Gesamtbild heraus, das die Vielfalt unserer Kirche abbildet und auch dem Spannungsfeld Kirche – Reformation – Politik gerecht wird.

Ich wünsche mir, dass dies ein Anstoß ist für eine Debatte, die weitergeht. Denn wir wissen: „Ecclesia semper reformanda.“ Und bitte nicht nur die ecclesia – sondern auch Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

Herzlich

Ihr

Frank Otfried July